Gutartige Prostatavergrößerung (BPH)

Die Kombination aus Symptomen, Prostatavolumenzunahme und Obstruktion des Blasenauslasses wird als benignes Prostaatsyndrom bezeichnet (BPS). Die Prostatavergrößerung per se ist nicht behandlungsbedürftig, und mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit, eine Vergrößerung zu entwickeln. Betrachte man beispielsweise Männer über 70, dann findet man hier in bis zu 40% der Fälle Symptome. Bei den 50 bis 60 jährigen Männern sind es nur halb so viele.

Ab dem 35. Lebensjahr nimmt die Wahrscheinlichkeit einer Prostatavergrößerung jährlich um etwa 15% zu. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass Sie Beschwerden haben oder gar behandelt werden müssen. Bei der Prostatavergrößerung kommt es zur Gewebsvermehrung der Prostata, vor allem um die Harnröhre herum. Dies kann die Harnröhre einengen und den Blasenauslass verlegen, was zu obstruktiven und irritativen Miktionsbeschwerden führen kann, sogenannte LUTS (lower urinary tract symptoms). LUTS sind jedoch nicht spezifisch für eine Prostatavergrößerung und können auch bei anderen Erkrankungen der Blase oder Nerven auftreten.

Kommt es zu „Komplikationen“, d.h. zu Beschwerden beim Wasserlassen oder zu Infektionen auf dem Boden einer Vergrößerung der Prostata spricht man von einem benignen Prostatasyndrom (BPS).

Bis zu 35% der Männer entwickeln im Laufe ihres Lebens eine behandlungsbedürftige Prostatavergrößerung.

FAQs

  • Die Anwesenheit von männlichen Hormonen ist für die Entstehung einer Vergrößerung der Prostata notwendig. Das im Blut zirkulierende Testosteron führt zur Gewebsvermehrung und damit zur Prostatavergrößerung.

    • Adipositas

    • Reduzierte körperliche Aktivität

    • Medikamente (Antidepressiva, Antihistaminika, Bronchodilatatoren)

    • Sexuelle Aktivität (eine erhöhte sexuelle Aktivität stellt keinen Risikofaktor für ein BPS dar, allerdings kann umgekehrt eine Prostatavergrößerung zur erektilen Dysfunktion führen!)

    • die Prostatahyperplasie ist kein Risikofaktor für die Entstehung von Prostatakrebs, jedoch ist umgekehrt das Prostatakarzinomrisiko erhöht nach Harnverhalt oder operativer Behandlung der BPS

  • Rauchen senkt das Risiko für eine symptomatische Prostatavergrößerung leicht

  • Die Beschwerden der Prostatavergrößerung sind vielfältig, und man unterscheidet im Wesentlichen Symptome, die während der Urinspeicherphase (nächtliches Wasserlassen/ Nykturie, häufiges Wasserlassen/ Pollakisurie, überfallartiger Harndrang, Dranginkontinenz) oder während der Entleerungsphase auftreten (abgeschwächter oder geteilter Harnstrahl, verzögerter Start, Restharngefühl, Harnverhalt, Harnträufeln, Harnstottern).

  • Die wichtigsten Komplikationen bei Prostatavergrößerung sind der Harnverhalt, das Nierenversagen und die Sepsis.

    Ein Harnverhalt kann äußerst schmerzhaft sein und stellt einen urologischen Notfall. Risikofaktoren für die Entwicklung eines Harnverhaltes sind u.a. Prostatitis, starke Flüssigkeitszufuhr, Alkoholgenuss, sexuelle Aktivität, Medikamente, Operationen und Narkosen.

  • Um die Symptome zu quantifizieren und den Therapieerfolg zu objektivieren, wurde der IPSS eingeführt. Anhand eines standardisierten Fragebogens werden 8 Fragen gestellt zum Wasserlassen und zur Lebensqualität. Die Gesamtpunktzahl liegt zwischen 0 und 35. Je höher der Score ist, desto schwerwiegender sind die Symptome. Werte unter sieben gelten als mild und rechtfertigen im Allgemeinen keine Behandlung.

  • Zur Abklärung einer Prostatavergrößerung gehören die Anamnese, körperliche Untersuchung, Blutuntersuchung, das Abtasten der Prostata durch den Enddarm (digital-rektale Untersuchung DRU), Sonographie, Abfragen des IPSS Score, die Harnstrahlmessung (Uroflowmetrie) und die Urinanalyse. Die Untersuchungen können bei Bedarf erweitert werden um eine Blasendruckmessung (Urodynamik) und Blasenspiegelung (Zystoskopie).

    Abhängig von Ihren Beschwerden und den erhobenen Befunden planen wir gemeinsam mit Ihnen die Therapie. Wir als Ihre Urologen und Experten auf dem Gebiet Prostata beraten Sie ausführlich und kompetent über mögliche Verhaltens- und Lebensstiländerungen sowie über konservative und operative Therapieoptionen.

  • PSA ist die Abkürzung für Prostata-spezifische Antigen. Dieses Protein, was nur von Prostatadrüsen gebildet wird und zur Verflüssigung des Ejakulats beiträgt, wurde erstmals in den 70er Jahren entdeckt und kann als Tumormarker frühzeitig einen Hinweis auf Prostatakrebs geben. Durch einen Bluttest kann der Wert einfach bestimmt werden. Das von den Prostatadrüsen gebildete PSA geht zu einem Teil ins Blut über und liegt hier in freier Form vor, zum größeren Teil ist dieses Enzym jedoch an Serumproteine gebunden. Beides zusammen bezeichnet man als Gesamt-PSA oder nur PSA.

    Da Krebszellen erheblich mehr PSA bilden als gesunde Prostatazellen, eignet sich dieser Wert so gut als Tumormarker. Das heißt zwar nicht, dass ein niedriges PSA Krebs ausschließt oder ein hoher PSA automatisch Krebs bedeutet, jedoch steigt mit der Höhe des Wertes das Risko für Krebs. Bei PSA Werten über 10 ng/ml liegt das Risiko für prostatakrebs bei 50-80%. Wichtiger als der einzelne Wert ist der PSA-Verlauf. Deshalb ist es wichtig, sich früh und regelmäßig zur Blutkontrolle bei Ihrem Urologen vorzustellen. Ein PSA-Verlauf ermöglicht eine deutlich bessere Beurteilung des PSA, als ein einzelner Wert.

  • Der PSA-Wert von vielen verschiedenen Faktoren beeinflusst, und es ist sehr individuell, wieviel PSA aus der Prostata ins Blut gelangt. Auch das Volumen der Drüse hat Einfluss auf den Wert, mit zunehmender Prostatagröße steigt auch der PSA. Erkrankungen wie eine akute Entzündung der Prostata oder Harnverhalt, aber auch Interventionen wie Einlage eines Harnröhrenkatheters, Blasen- oder Darmspiegelung, Tastuntersuchung der Prostata, Aktivitäten wie Radfahren oder Reiten und auch Sex können den Wert in unterschiedlicher Ausprägung erhöhen.

    Es gibt aber auch Situationen, in denen der Wert erniedrigt sein kann. Das Medikament Finasterid wird bei Prostatavergrößerung und auch bei Haarausfall eingesetzt und senkt den PSA-Wert künstlich. Auch nach Behandlung der Prostata durch Ausschälung (TURP) oder Komplettentfernung oder auch nach Bestrahlungs- oder Hormontherapie sinkt der PSA-Wert. Auch bestimmte Cholesterinsenker (Statine) scheinen leichten Einfluss auf den Wert zu haben.

  • Auf der Basis zahlreicher Studien wurden Schwellenwerte festgelegt (cutt-off-Wert), ab dem das Risiko für Prostatakrebs steigt bzw. ab wann eine Biopsie der Prostata sinnhaft ist. Da sich die Prostata im Alter meist vergrößert und damit der Wert steigt, wurden altersabhängige Schwellenwerte definiert.

    • 40-49 Jahre: 2,5 ng/ml

    • 50-59 Jahre: 3,0 ng/ml

    • 60-69 Jahre: 4,0 ng/ml

    • über 70 Jahre: 5 ng/ml

    Diese Schwellenwerte wurden festgelegt, damit eine Biopsie möglichst vermieden, ein behandlungsbedürftiger Prostatakrebs jedoch nicht übersehen wird.

  • Die Bestimmung der Harnflussrate (Uroflow) ist ein weit verbreiteter nicht-invasiver urodynamischer Test. Hierfür geht der Patient auf eine Spezialtoilette, die beim Wasserlassen verschiedene Parameter misst.

    Schlüsselparameter sind Qmax (maximaler Harnfluss) und Strömungsmuster. Uroflowmetrie-Parameter sollten vorzugsweise bei einem Blasenvolumen > 150 ml ausgewertet werden. Da Qmax zu Schwankungen innerhalb des Patienten neigt, ist es sinnvoll, die Uroflowmetrie zu wiederholen, insbesondere wenn das Miktionsvolumen < 150 ml beträgt oder Qmax oder das Flussmuster anormal sind. Die Uroflowmetrie kann zur Überwachung der Behandlungsergebnisse und zur Korrelation von Symptomen mit objektiven Befunden eingesetzt werden.

  • Patienten mit einer Vorgeschichte von Blut im Urin, Harnröhrenenge oder Blasenkrebs, die sich mit LUTS vorstellen, sollten zur diagnostischen Abklärung einer Urethrozystoskopie (Blasenspiegelung) erhalten. Die Beschaffenheit der Prostata wird auch beurteilt, um interventionelle Behandlungen zu planen.

Welche Therapieoptionen gibt es?

Man unterscheidet die konservative (medikamentöse) Therapie von der operativen Therapie der Prostatavergrößerung. Zudem gibt es verhaltenstherapeutische und diätische Möglichkeiten.

  • Aufklärung über den Zustand des Patienten

  • Beruhigung, dass es kein Krebs ist

  • Lebensstilberatung (Reduzierung der Flüssigkeitsaufnahme zu bestimmten Zeiten, um die Häufigkeit des Wasserlassens zu reduzieren, wenn es am unangenehmsten ist - z. B. nachts oder beim Ausgehen in der Öffentlichkeit)

  • Vermeidung/Mäßigung der Aufnahme von Koffein oder Alkohol, die eine harntreibende und reizende Wirkung haben können, wodurch die Flüssigkeitsabgabe erhöht und die Häufigkeit, der Harndrang und die Nykturie verstärkt werden

  • Anwendung entspannter und doppelter Entleerungstechniken;

  • Ablenkungstechniken wie Penisquetschen, Atemübungen, perinealer Druck und mentale Tricks, um die Gedanken von Blase und Toilette abzulenken und OAB-Symptome zu kontrollieren

  • Blasentraining, das Männer ermutigt, durchzuhalten, wenn sie dringend ihre Blasenkapazität und die Zeit zwischen den Blasenentleerungen erhöhen müssen

  • Überprüfung der Medikation und Optimierung des Verabreichungszeitpunkts oder Substitution von Medikamenten durch andere, die weniger Harnwirkung haben (diese Empfehlungen gelten insbesondere für Diuretika)

  • Bereitstellung der erforderlichen Hilfe bei Beeinträchtigung der Geschicklichkeit, Mobilität oder des geistigen Zustands

  • Behandlung von Verstopfung.

Es gibt Hinweise darauf, dass das Selbstmanagement sowohl die Symptome als auch das Fortschreiten reduziert!

Medikamentöse Therapie

Medikamente sind indiziert bei störenden Symptomen und fehlender Notwendigkeit zur Operation. Folgende Medikamente finden Anwendung:

  • Phytotherapeutika (pflanzliche Medikamente, v.a. Sägepalme)

  • Alphablocker (Tamsulosin, Alfuzosin, Silodosin, Terazosin, Doxazosin)

  • 5a-Reduktasehemmer (Finasterid, Dutasterid)

  • PDE5-Hemmer (Tadalafil)

  • Anticholinergika

  • ß2-Agonisten (Mirabegron) 

Die Medikamente können zum Teil auch miteinander kombiniert werden.

Operative Therapie

Eine Operation wird dann notwendig, wenn die medikamentöse Therapie eine unzureichende Wirkung oder Nebenwirkungen hat, wiederkehrende Harnwegsinfektionen auftreten, es wiederholt zu Blut im Urin kommt, Blasensteine bereits entstanden sind oder gar ein Nierenversagen auftritt.

Für die operative Therapie steht eine Vielzahl unterschiedlicher Verfahren zur Verfügung. Dabei sollte auf das individuelle Risikoprofil des Patienten durch Verwendung spezieller Techniken eingegangen werden.

Die transurethrale Resektion der Prostata (TUR-P) stellte jahrzehntelang den Goldstandard dar. Allerdings sind im Laufe der letzten Jahre verschiedene Techniken hinzugekommen, die aus unterschiedlichen Gründen eine Konkurrenz zur TUR-P darstellen. Dabei unterscheiden sich die verschiedenen Verfahren in der Art des Gewebeabtragens. Es wird differenziert zwischen resezierenden Verfahren (monopolare und bipolare TUR-P sowie Thulium-Laser-Resektion der Prostata), Abtragung mit Waserstrahl (Aquabeam), enukleierenden Verfahren (offene bzw.  laparoskopisch / roboterassistierte Adenomenukleation, Holmium-Laser-Enukleation der Prostata (HoLEP)), vaporisierenden Verfahren (photoselektive Vaporisation der Prostata („Greenlight-Laser“), Vaporisation durch Diodenlaser sowie Plasmavaporisation der Prostata) und thermischen Verfahren (transurethrale Nadelablation der Prostata sowie transurethrale Mikrowellenablation der Prostata).

Als langjährige Operateurin hat Frau Dr. Sahi auf diesem Gebiet eine große Expertise und kann so eine auf Sie individuell zugeschnittene Therapie festlegen. Die Operationen werden nicht von uns in unseren praxiseigenen Räumen durchgeführt, aber wir verweisen Sie gerne an geeignete Partnerkliniken.